Winternachtstraum

Wer hielt sich in der Gluthitze des Sommers nicht manchmal sehnsüchtig an einem Glacestängeli fest und wünschte sich einen erfrischenden Hauch Winterluft? Und jetzt, wo der Herbst an die Tür klopft, schauen wir da melancholisch zurück oder euphorisch nach vorn? Schliesslich bietet auch der Winter seine ganz eigenen Abenteuer: zum Beispiel eine Nacht im selbstgebauten Iglu.

Erlebnisbericht im Winter-Magazin «MySwitzerland»
Kunde: Schweiz Tourismus (Agentur: Festland) Mein Beitrag: Text Downloads: Artikel «Schlafen im Iglu» (PDF) | Gesamtausgabe «mySwitzerland – Upgrade your Winter», Saison 2018/2019

Manchmal liegen die Jahreszeiten wie in einer Zeitfalte direkt nebeneinander, gehen ineinander über. Jetzt, Anfang September, klingt die Gluthitze nach, die das Leben in diesem Sommer bestimmte: frühmorgens alle Läden schliessen, die Sonne aussperren, die Stunden bis zum nächsten Sprung ins kühle Nass zählen.

Ganz anders im vergangenen März, als Schweiz Tourismus mitten in der Produktion ihres Winter-Magazins für die kommende Saison steckte: Wir planten, mit der ganzen Familie unter professioneller Anleitung ein Iglu zu bauen und darin zu übernachten. Doch während Wochen hatten uns eisige Temperaturen im Griff. Russische Kältepeitsche hiess es in den Medien. An Iglubauen war nicht zu denken – keine idealen Schneebedingungen und zu kalt für ein Shooting. Als der definitive Termin schliesslich feststand, kündeten sich im Unterland bereits die ersten Frühlingsboten an. Der Schneemann auf dem Balkon trug den Hut plötzlich auf den Schultern, über Nacht war er in sich zusammengesackt. Und obwohl wir am frühen Morgen zum ersten Mal die Vögel pfeifen hörten, trieb uns in jenem Moment eher die Kälte um denn die Freude an den wärmenden Sonnenstrahlen – oder eher: die Angst vor der Kälte.

Viele Fragen, die wir uns seit Wochen stellten, gewannen so kurz vor der Abfahrt an Dringlichkeit: Was braucht einer, der die Nacht im Iglu verbringen will? Wie kalt ist es in einem Haus aus Schnee? Um die Null Grad, wissen die Experten. Wie hält man sich warm? Mit einer Bettflasche, so der Trick des Veranstalters. Die Wetterprognose versprach einen Traumtag, doch brauchen nicht zumindest die Kinder Ersatzkleider für den Notfall? Und vor allem: Welche Schuhe packen wir ein, Wander- oder Winterschuhe? Gehören nasse Füsse vielleicht einfach zum Abenteuer?

Heute wissen wir es. Und noch viel mehr: Dass es beim Iglubau neben dem richtigen Winkel auf den selbstbewussten Schlag ankommt, mit dem die Eisblöcke aufeinandergesetzt werden. Denn erst dadurch verändert sich die Struktur der Schneekristalle und die Blöcke verbinden sich zu einer stabilen Einheit. Zögerliches Hin- und Herschieben hat schon manches Iglu zum Einsturz gebracht. Oder dass im Bödmerenwald, dem grössten Urwaldgebiet der Schweiz, die seltenen, hochgewachsenen Säulenfichten wachsen, von deren schmalen Kronen der schwere Schnee der niederschlagsreichen Muotathalregion schnell abrutschen kann, ohne sie zu knicken. Und dass das Agathenringli, das gesegnete Brot, das beim Nachtessen über uns an der Wand der Alphütte hängt, in vielen katholischen Regionen anzutreffen ist und vor Feuer schützen soll – oder auch vor «Heimwehbrand». Zwei Gefahren, die uns in dieser Nacht nicht drohten, weich gebettet auf Rentierfellen und warm eingehüllt in kuschligen Schlafsäcken in einem Haus aus Schnee – ein Abenteuer, das niemand in der Familie missen möchte.

> Die ganze Geschichte und weitere Informationen zum Veranstalter finden sich im Artikel (PDF-Download hier) und auf der Website von Schweiz Tourismus.

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